Heike Delitz

      
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PD Dr. Heike Delitz

Universität Bamberg
Lehrstuhl für Soziologie II
 

Gebaute Gesellschaft. Architektur als Medium des SozialenFrankfurt/M., New York: Campus 2010
(Dissertation, Phil. Fak., TU Dresden, 2009)

Entfaltet wird eine soziologische Theorie der Architektur, die voraussetzt, dass die Architektur hinsichtlich des Sozialen einen Unterschied, eine Differenz macht - d.h., Architektur spiegelt, symbolisiert oder reproduziert nicht, was vorher und unabhängig von ihr bereits existiert. Sie ist keineswegs die passive Hülle, das bloße Objekt, das alles lässt, was es ist. Vielmehr verschafft sich ein Kollektiv in seiner Architektur, architektonisch allererst eine spezifische Gestalt, in der es sich als diese Gesellschaft erkennt und fixiert. Architekturen koexistieren zudem mit den Körpern, sie affizieren deren Bewegungen, Blicke, Aktionen und Interaktionen. Der Vorschlag ist daher, die Architektur als konstitutives und transitives Medium des Sozialen zu denken - oder vom architektonischen Existenzmodus jeder Gesellschaft auszugehen.

Dieser konzeptionelle Vorschlag operiert sowohl auf der Ebene einer Gesellschaftstheorie (der Ebene der sicht- und greifbaren, materiellen "Gestalt" des Sozialen), als auch auf der Ebene der Inter-Aktionen (der "Gefüge", agencements, Deleuze) von Artefakten, Körpern und Diskursen. Theoriegrundlage sind - um die soziale Brisanz oder Positivität der Architektur zu denken - dabei genauer: einerseits bergsonianische Autoren wie Gilles Deleuze, Cornelius Castoriadis, Bernhard Cache, André Leroi-Gourhan, Gilbert Simondon; ergänzend werden Gabriel Tarde, Bruno Latour, Michel Foucault hinzugezogen, sofern auch sie die soziale Positivität der architektonischen Artefakte und ihrer symbolischen und affektiven Aspekte zu sehen erlauben.  Ergänzend wird andererseits auf die Philosophische Anthropologie zurückgegriffen, auf die Institutionentheorie und Artefakt-Soziologie Gehlens sowie auf die Medientheorie Plessners, da sie nicht dem Paradigma der Sprache verpflichtet ist, vielmehr die Eigenlogik der Architektur ausbuchstabiert.

Diese soziologische Theorie der Architektur ist so angelegt, dass sie für jede Gesellschaft gilt; in der Aufmerksamkeit für das Neue in der modernen Architektur gilt sie aber insbesondere für moderne Gesellschaften. Insbesondere in diesem Fall forciert die Architektur eher das Soziale, statt es lediglich 'auszudrücken'.

Das Buch enthält drei Teile: I. Denk- und Forschungsstand der (impliziten und expliziten) Architektursoziologie; II. die alternative Theoriekonzeption des sozial konstitutiven Mediums Architektur; III. die empirische Durchführung dieser Perspektive in fünf chronologisch aufeinander folgenden Fallstudien der Architektur des 20. Jahrhunderts (von 1910 bis 2000).